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"Wir müssen unsere Not und unser Leid teilen und damit auch das Leiden Gottes in einer gottlosen Welt. Wahres Christentum heisst, teile des Anderen Schmerz!" Dietrich Bonhoeffer
Manchmal sitze ich einfach nur da. Ich sitze und warte. Ich atme ein und ich atme aus. Ich warte, bis mein Inneres still wird, bis sich mein Nervensystem entspannt, bis alles ruhig geworden ist. Einfach nur zu Sein ist an solchen Tagen die Herausforderung.
Dort in de Stille, wenn der Lärm in mir abebbt, höre ich es. Ich höre den Schmerz der Welt, höre ihr Stöhnen, ihr Wehklagen. Höre, wie mein eigenes Herz seufzt und wimmert. Und ich höre, wie es einstimmt in den grossen misstönenden Gesang des Leidens. Dort in der Stille spüre ich die Not der gebrochenen Herzen und ich klage. Ich klage aus Sehnsucht nach Freiheit, nach Frieden, nach echter Wärme und nach Trost. Ich klage für mich und für die Anderen. Und wenn die Tränen fliessen, dann lasse ich sie fliessen. Denn mit ihnen fliesst auch alle Last ab.
Früher fürchtete ich mich vor dem Schmerz. Ich wollte ihn nicht in meinem Leben, wollte ihn nicht wahrnehmen, wollte ihn vermeiden. Ich habe versucht, zu kontrollieren, zu befriedigen, zu ignorieren oder so zu tun, als sei er nicht da. So zu tun, als müsse ich mich nur richtig verhalten, das richtige sagen oder härter kämpfen, damit das Leiden verstummt. Heute weiss ich, dass dies weder möglich ist, noch die Fülle des Lebens bedeutet. Denn es ist nicht das Entkommen sondern das Überwinden welches den Triumph bringt.
Schmerz ist nicht Ursache, sondern Wirkung eines auslösenden Ereignisses. Dem ersten spitzen Stich einer Verletzung folgt das verzögerte, dumpfe und bohrende Leiden. Im Verlauf unseres Lebens haben wir alle viele Stürme überlebt. Häufig können wir uns nicht einmal mehr an Tage ohne Schmerz erinnern oder daran, welche Trümmer zu welcher Not gehören. Wenn wir aufrichtig sind, fehlen uns Worte. Es fehlen Erklärungen, Rechtfertigungen, Lösungen.
So sitze ich dort in der Stille und beginne unter dem Gesang des Leidens eine weitere Melodie wahrzunehmen. Ich höre ein Summen und spüre das räsonierende Vibrieren eines neuen Liedes. So sehr... so sehr... so sehr hat Gott die Welt geliebt. So sehr, dass er sich freiwillig hingab und gekreuzigt wurde. So sehr, dass er die Not der Welt zu Ende brachte und die ewige Ursache heilte. So sehr, dass er für uns zum Schmerz, ja zum Tod wurde, auf dass wir IHM darin begegnen können. So sehr, dass Leid zu tragen heilig wurde und Narben Ehre bedeuten. So sehr, dass die Frucht daraus ewiges Leben verkündet.
Ich fange an zu summen. Tief und regelmässig. Ich summe den Lobpreis meines Herzens, den Lobpreis der gesamten Schöpfung. Dort überwinde ich. Dort finde ich Ruhe. Frieden. Trost und Freude. Dort, in der heiligen Gemeinschaft SEINER Leiden, teile ich auch des Anderen Schmerz. Dort, in der ewigen Resonanz des Lebens, wird alle Not verschlungen.

